(Un-)ERFÜLLTER KINDERWUNSCH

In der Zeit, in der sie auf ihr Wunschkind warten, erleben Frauen und Männer häufig einen kräfteraubenden emotionalen Kreislauf aus Zuversicht, Angst, Hoffnungslosigkeit, Trauer, Sinnverlust und dann wiederein bisschen Zuversicht.

ADOPTION/

PFLEGSCHAFT

LEBEN OHNE KIND

 

PSYCHISCHE ASPEKTE DES KINDERWUNSCHES

Die Zeit des Kinderwunschs gehört zu den besonders herausfordernden Erfahrungen im Leben von Frauen – und auch im Leben vieler Männer,
die mit dieser Thematik oft noch um einiges verschlossener umgehen.

 

Viele Frauen haben das Gefühl, den Verlust einer noch nicht geborenen Person verkraften zu müssen, was einen schwerwiegenden Einschnitt in die eigene Lebensqualität bedeutet,
für die das Umfeld manchmal wenig Verständnis hat.

In manchen Fällen scheint die Hoffnung auf das eigene Kind bereits aufgegeben und ein belastender, von Rückschritten geprägter Weg des vermeintlichen Abschiednehmens vom Kinderwunsch beginnt.

Um in der oft so zermürbenden und sorgenvollen Zeit der großen Sehnsucht nach einem Kind Halt zu finden, ist es hilfreich, zu verstehen, welche Einflüsse an Ihrem ungestillten Wunsch beteiligt sein können und daher besondere Aufmerksamkeit verdienen:

EINFLÜSSE AUS DER ERZIEHUNG

Wir alle unterliegen besonderen Prägungen aus unserer Erziehung.

 

Eltern oder nahe stehende Bezugspersonen haben in der Vergangenheit beiläufig erscheinende Sätze von sich gegeben, die sich – oftmals ohne unser Wissen – tief in uns eingebrannt haben.

Gelegentlich erinnern wir uns aber auch an diese Aussagen:

Eine meiner Klientinnen erzählte mir, dass ihr im Zuge der Therapie nun wieder eingefallen ist, dass sie von ihrer Mutter hörte:

„Lass dir bloß Zeit mit dem Kinderkriegen, denn danach ändert sich dein ganzes Leben schlagartig!“

 

Unbewusst hat sich in dieser Frau eine Angst manifestiert, die ihr so lange nicht zugänglich war, bis sie sich in der Therapie erlaubte, sich mit ihrer eigenen Muttergeschichte auseinanderzusetzen.

Ein weiterer wesentlicher Einfluss auf die Tochter ist, wenn ihre Mutter selbst noch nicht bereit für ein Kind war und ihre Schwangerschaft nicht annehmen konnte.

Mir ist an dieser Stelle wichtig zu betonen, dass es in der Therapie keinesfalls darum geht, die Emotionen und die möglicherweise ambivalenten Gefühle ihrer eigenen Schwangerschaft gegenüber zu bewerten oder gar zu verurteilen.

Viel eher geht es darum, dass Sie lernen können, diesen Teil Ihrer Geschichte zu erkennen, zu verstehen und schließlich loszulassen.

Zorn und Angst – die vielleicht vordergründig keinen Stellenwert hat – verhindern in vielen Fällen, den bewussten Blick auf die jeweilige eigene Geschichte.

 

Psychotherapie ist ein Schlüssel dazu, die konflikthafte Haltung nahestehenden Bezugspersonen gegenüber bewusst wahrnehmen und langfristig auflösen und sich versöhnen zu können – um damit einen Schritt weiter auf ihr Wunschkind zugehen zu können.

DRUCK VON AUßEN

Das eigene Umfeld erzeugt mit unbedachten und oft hilfreich gemeinten Aussagen häufig mehr Druck, als es anfangs scheint.

Wann ist es denn bei euch so weit?“,

„Kein Geschwisterchen? Das arme Einzelkind!“,

„Entspann dich halt mal!“,

„Aber bei der Bärbel hat’s doch auch geklappt.“

Die Bemerkung, die Sie mal hier mal dort von Eltern, Geschwistern, Partnern, Freunden und Kollegen hören, können innerpsychisch massiven Druck erzeugen, der erheblich belasten kann.

 

In der Therapie geht es mit darum, Wege zu finden,
um mit diesem Druck umgehen zu lernen.

FEHL- ODER TOTGEBURTEN

Fehl- oder Totgeburten aber auch sehr frühe Abgänge sind immer ein tiefgreifendes Ereignis.
 

So groß war – die oft sehr kurze – Freude und dann stellt die einsetzende Blutung oder die traurige Nachricht Ihr Leben auf den Kopf.
In unserer Gesellschaft werden Fehlgeburten oft an den Rand der Wahrnehmung gestellt.

Dadurch wird häufig nicht beachtet, dass die Trauer um Ihr Kind, das es nicht ins Leben geschafft hat, große Aufmerksamkeit benötigt.

Es kann sein, dass Sie durch einen unterbrochenen oder gar nicht erst begonnenen Trauerprozess Ihr Kind bisher noch nicht gänzlich loslassen konnten.


Diese unbearbeitete Trauer kann verhindern, dass Sie sich für eine erneute Schwangerschaft bereits öffnen können.

Hohe Ideale und Ansprüche an sich selbst als zukünftige Mutter,
zukünftiger Vater und als Elternpaar

Schon lange, bevor wir mir dem oft liebevoll genannten „Basteln“ der eigenen Kinder beginnen, haben wir an uns selbst als Elternteil besondere Ansprüche.

Manche wollen gerne alles viel besser als die eigenen Eltern machen, andere möchten die Kindererziehung genauso gut hinbekommen wie die eigenen Eltern und wieder andere möchten einfach alles ganz anders als andere Eltern machen.

Doch desto länger der Kinderwunsch besteht, desto höher werden – diese vormals oft gar nicht bewussten – Ansprüche an sich als Mutter, Vater oder Eltern.

 

Der Drang alles „richtig“ zu machen führt über kurz oder lang dazu, dass ein zu hohes, oft unrealistisches Idealbild unserer Selbst entsteht, welches uns frustriert. Dieser Frust führt häufig zu einer erhöhten Anspannung.

SOMATISCHE BESCHWERDEN

Haben Sie vielleicht auch schon körperliche Beschwerden wie etwa plötzliche Schweißausbrüche, Herzrasen, Kopfschmerzen und Schwindelattacken an sich bemerkt?

Schenken Sie diesen Körperempfindungen Beachtung und hinterfragen Sie, wann diese Symptome häufiger auftreten.

Diese oft sehr unangenehmen und ängstigenden Beschwerden können Ausdruck Ihres Körpers sein, der Sie auf Druck, Angstzustände oder andere emotionale Dauerbelastung aufmerksam machen möchte.

 

Wichtig ist hierbei vor allem, die Symptome von einem Arzt abklären zu lassen, um körperliche Ursachen für Ihre Beschwerden auszuschließen.

GEDULD UND HOFFNUNG

Wenn Ihr Kinderwunsch schon länger dauert, ist ihr Geduldsvermögen vermutlich zur Zeit nicht Ihre größte Stärke.

 

Es ist verständlich, dass Sie das Wort „Geduld“ vielleicht gar nicht mehr hören können.

Ähnlich verhält es sich mit der Hoffnung.

Möglicherweise ist Ihnen schon aufgefallen, wie schwierig es für Sie in manchen Situationen ist, noch hoffnungsvoll an Ihre zukünftige Schwangerschaft zu denken. 

Dennoch sind sowohl Geduld als auch Hoffnung wichtig, um Ihren Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Und beides tragen Sie ganz tief in sich, auch wenn Sie es vielleicht gerade jetzt nicht finden können.

 

In der Therapie darauf achten, dass Sie sich zuallererst auf sich selbst konzentrieren und in ihren Körper und ihr Empfinden hineinhören – um dort schließlich einen tiefen Zugang zu Ihrer eigenen Geduld und Hoffnung zu finden.

SCHWANGERSCHAFTSABBRÜCHE IN DER VERGANGENHEIT

Ein Schwangerschaftsabbruch in der Vergangenheit kann tiefe Wunden hinterlassen – auch dann, wenn die körperlichen längst verheilt sind.

Auch wenn Ihre Entscheidung für Sie zum damaligen Zeitpunkt die richtige – und vielleicht einzig mögliche – gewesen ist, kann die Abtreibung immer wieder aufs Neue Schuldgefühle in Ihnen entstehen lassen.

Gerade diese Schuld- und Schamgefühle können Sie in Ihrem Innersten so blockieren, dass Sie sich trotz Ihres Wunsches nach einem Kind für dieses nicht zur Gänze öffnen können.

MISSBRAUCHSERLEBNISSE

Immer noch erlebt in Österreich jede dritte Frau in ihrem Leben eine Form der sexuellen Gewalt.

 

Missbrauch ist immer eine Erfahrung der Verletzung eigener,
höchstpersönlichen Grenzen.

Mit aus diesem Grund empfinden Menschen, die missbraucht worden sind, häufig ein ambivalentes Verhältnis zu ihrem eigenen Körper.

Um schwanger zu werden, erfordert ihr Körper erneut die Überwindung zahlreicher Grenzen, damit ein Kind für einige Zeit in Ihrem Bauch einziehen kann.

Auch wenn Sie sich ein Kind von ganzem Herzen wünschen, kann die grenzüberschreitende Handlung in der Vergangenheit innere Blockaden erstehen lassen, die ihrem Wunschkind den Weg in Ihren Körper erschweren.

 

Hier geht es darum, dass Ihre Erlebnisse in der Therapie Raum Erhalten und bewusst betrachtet werden können, um diese schließlich zu bewältigen.

In meiner Praxis begegnen mir häufig diese und andere Themen, unter denen sowohl Frauen als auch Männer mit Kinderwunsch leiden:

  • Eifersucht, Neid und Wut gegenüber anderen Frauen und Familien.

  • Scham vor anderen aber auch vor sich selbst – Neid und Scham liegen in der Zeit des unerfüllten Kinderwunsches nahe beieinander.

  • Ambivalente Körpergefühle, Vertrauensverlust in sich selbst und in den Körper sowie belastende Emotionen bis hin zu regelrechtem Hass dem eigenen Körper gegenüber.

  • Das Gefühl, im Leben keinen Sinn mehr sehen zu können.

  • Konflikte in der Partnerschaft – nicht nur die gelebte Sexualität leidet in der Zeit des unerfüllten Kinderwunschs. Hoffnungslosigkeit, empfundener Stress und belastender Druck kann nicht immer mit dem Partner oder der Partnerin geteilt werden. Rückzug und Depression können hier die Folge sein.

  • Das ständige Gefühl von Angst bis hin zu Panik, bei dem Gedanken, dass einem die Zeit davon läuft oder bei der Vorstellung, nie das eigene Kind in Armen halten zu dürfen.

  • Schuldzuweisungen – sowohl von außen („Ich hätte mir immer so sehr ein Enkerl gewünscht.“) oder aber an den Partner bzw. die Partnerin („Du setzt dich nicht genug ein,“, „Du unterstützt mich nicht ausreichend!“), vor allem jedoch Schuldzuweisungen an sich selbst: „Ich kann meinem Mann/meiner Frau kein Kind schenken!“, „Ich habe vielleicht nicht alles für den Kinderwunsch getan“, „Ich habe zu lange gewartet.“

  • Libidoverlust – Sex nach Terminkalender nimmt jede Spontanität, darunter leidet das eigene Lustempfinden.

  • Somatisierungen – etwa wenn durch inneren Druck bei Frauen ein jahrelang regelmäßiger Zyklus plötzlich drastisch verändert ist, oder sich bei Männern Erektionsprobleme einstellen. Auch Kopfschmerzen, Migräne, Herzrasen, Bauchschmerzen und zahlreiche andere Symptome können auf Körperebene die Folge sein.

  • Weiblichkeit und Männlichkeit – „Gehöre ich ohne Kinder überhaupt dazu?“ „Bin ich nicht Frau oder nicht Mann genug, ein Kind zeugen zu können?“

  • Der Partner oder die Partnerin ist unfruchtbar – Machtlosigkeit und das Gefühl, der Situation völlig ausgeliefert zu sein, können sich breit machen.

 

MEDIZINISCHE ASPEKTE DES KINDERWUNSCHES,

KINDERWUNSCHBEHANDLUNGEN

Nach längerem erfolglosen Warten auf das Wunschkind werden nach und nach medizinische Test zur Fertilität durchgeführt. Je nach Befund gibt es sodann unterschiedliche medizinische Behandlungsmöglichkeiten. Diese Möglichkeit gibt folglich wieder Hoffnung und Zuversicht, wenn sich das Paar dafür entscheidet.

Welch psychischen Stress die unterschiedlichen Befruchtungsmöglichkeiten mit sich bringen, darf jedoch nicht übersehen werden.

Liegen die Ursachen bei der Frau, wird eine In-vitro-Fertilisation (IVF) vorgenommen. Eine Zeit, der Anstrengung und des Wartens beginnt. Von außen wird diese Entscheidung häufig unterschätzt, bedeutet sie doch für das Paar eine Zeit der Angst, der Unsicherheit aber auch der Hoffnung.

Liegen die Ursachen beim Mann, gibt es die Möglichkeit einer In-vitro-Fertilisation (IVF) und Intra-Cytoplasmatische Sperma-Injektion (ICSI) oder einer Heterologen Insemination (Samenspende).

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit zur Samen- oder Eizellenspende, welche meist einen nächsten möglichen Schritt in der Behandlung darstellen oder gleichgeschlechtlichen Paaren zu einem Kind verhilft.

Genauso wie oben beschrieben, sind die Entscheidungen häufig schwer zu treffen und bedeuten oft eine erhebliche psychische Belastung für das Paar.

Ich begleite Frauen, Männer und Paare auf ihrem Weg in der Entscheidungsfindung und

sodann in der Zeit während der Behandlung.

Auswirkungen von Stress beim Kinderwunsch

Körper und Seele sind untrennbar miteinander verbunden.

Durch allgemeine Nervosität, Reizbarkeit oder eine erhöhte Neigung zum Weinen bemerkt man selbst, der Partner oder das soziale Umfeld, wie belastet man ist.

Ein unerfüllter Kinderwunsch bringt genau solch eine Belastung mit sich.

Kaum helfen Ratschläge wie „Lass doch einfach los“, im Gegenteil, solch gut gemeinte Tipps sind meist nur noch frustrierender, da man den Eindruck gewinnt, der andere könne den sehnsüchtigen Wunsch nicht verstehen.

Neben körperlichen Ursachen ist Stress ein wesentlicher Faktor, der eine Befruchtung erschweren, wenn nicht auch im äußersten Fall verhindern kann.

 

Umso wichtiger ist es, sich für sich selbst und für die Beziehung mit gewissen Fragen - den Kinderwunsch betreffend - auseinanderzusetzen.

 

WENN ES NICHT KLAPPEN WILL...

DER WEG ZUR ADOPTION/PFLEGSCHAFT ODER

DAS LEBEN OHNE KIND

Das Bedürfnis die Schwangerschaft selbst erleben zu wollen oder der vorranige Wunsch nach einem biologisch eigenem Kind hält Frauen und Männer häufig davon ab, sich mit dem Thema einer möglichen Adoption oder Pflegschaft auseinanderzusetzen.

Mit diesen Themen verbinden prinzipiell alle Paare gewisse Ängste und anfängliche Unsicherheiten.

Sich damit in einem geschützen Rahmen zu beschäftigen hilft jedoch, sich über seine jeweiligen Beweggründe bewusst zu werden, beziehungsweise den jeweiligen Ängsten Raum zu geben, damit die Entscheidung nicht alleine von den Ängsten abhängen muss.

Sind Sie an einem Punkt angekommen, an dem Sie sich von Ihrem Kinderwunsch verabschieden?

Dieser Abschied wird ein halbherziger bleiben, denn er passiert mehr oder minder unfreiwillig und der Wunsch, beziehungsweise die Sehnsucht nach einem eigenem Kind wird meist ein Leben lang bestehen.

Haben Sie jedoch an diesem Punkt entschlossen beziehungsweise möchten Sie sich mit diesem Gedanken auseinandersetzen, dann ist es an der Zeit, wieder vermehrt andere Themen in Ihren Fokus zu bringen.

Die Sehnsucht nach einem Kind, welche eine tiefe Bindung in sich hat, kann ebenso über andere Wege gelebt werden.

Ich begleite Sie gerne auf Ihrem individuellen Weg, wo auch immer Sie sich gerade befinden!

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©2020 Dr.in scient.pth. Katrin Hofer