Einflüsse des Kinderwunsches

Die Zeit des unerfüllten Kinderwunschs gehört zu den besonders schmerzhaften Erfahrungen im Leben einer Frau – und übrigens auch im Leben vieler Männer,
die mit dieser Thematik oft noch um einiges verschlossener umgehen.

 

Viele Frauen haben das Gefühl, den Verlust einer noch nicht geborenen Person verkraften zu müssen, was einen schwerwiegenden Einschnitt in die eigene Lebensqualität bedeutet,
für die das Umfeld manchmal wenig Verständnis hat.

In manchen Fällen scheint die Hoffnung auf das eigene Kind bereits aufgegeben und ein belastender, von Rückschritten geprägter Weg des vermeintlichen Abschiednehmens vom Kinderwunsch beginnt.

 

In der Zeit, in der sie auf ihr Wunschkind warten, erleben Frauen häufig einen kräfteraubenden emotionalen Kreislauf aus Zuversicht, Angst, Hoffnungslosigkeit, Trauer, Sinnverlust und dann wieder
ein bisschen Zuversicht.

Um in der oft so zermürbenden und sorgenvollen Zeit der großen Sehnsucht nach einem Kind Halt zu finden, ist es hilfreich, zu verstehen, welche Einflüsse an Ihrem ungestillten Wunsch beteiligt sein können und daher besondere Aufmerksamkeit verdienen:

 

In meiner Praxis begegnen mir häufig diese und andere Hauptprobleme,

unter denen sowohl Frauen als auch Männer mit unerfülltem Kinderwunsch leiden:

  • Eifersucht, Neid und Wut gegenüber anderen Frauen und Familien.

  • Scham vor anderen aber auch vor sich selbst – Neid und Scham liegen in der Zeit des unerfüllten Kinderwunsches nahe beieinander.

  • Ambivalente Körpergefühle, Vertrauensverlust in sich selbst und in den Körper sowie belastende Emotionen bis hin zu regelrechtem Hass dem eigenen Körper gegenüber.

  • Das Gefühl, im Leben keinen Sinn mehr sehen zu können.

  • Konflikte in der Partnerschaftnicht nur die gelebte Sexualität leidet in der Zeit des unerfüllten Kinderwunschs. Hoffnungslosigkeit, empfundener Stress und belastender Druck kann nicht immer mit dem Partner oder der Partnerin geteilt werden. Rückzug und Depression können hier die Folge sein.

  • Das ständige Gefühl von Angst bis hin zu Panik, bei dem Gedanken, dass einem die Zeit davon läuft oder bei der Vorstellung, nie das eigene Kind in Armen halten zu dürfen.

  • Schuldzuweisungensowohl von außen („Ich hätte mir immer so sehr ein Enkerl gewünscht.“) oder aber an den Partner bzw. die Partnerin („Du setzt dich nicht genug ein,“, „Du unterstützt mich nicht ausreichend!“), vor allem jedoch Schuldzuweisungen an sich selbst: „Ich kann meinem Mann/meiner Frau kein Kind schenken!“, „Ich habe vielleicht nicht alles für den Kinderwunsch getan“, „Ich habe zu lange gewartet.“

  • Libidoverlust – Sex nach Terminkalender nimmt jede Spontanität, darunter leidet das eigene Lustempfinden.

  • Somatisierungenetwa wenn durch inneren Druck bei Frauen ein jahrelang regelmäßiger Zyklus plötzlich drastisch verändert ist, oder sich bei Männern Erektionsprobleme einstellen. Auch Kopfschmerzen, Migräne, Herzrasen, Bauchschmerzen und zahlreiche andere Symptome können auf Körperebene die Folge sein.

  • Weiblichkeit und Männlichkeit „Gehöre ich ohne Kinder überhaupt dazu?“ „Bin ich nicht Frau oder nicht Mann genug, ein Kind zeugen zu können?“

  • Der Partner oder die Partnerin ist unfruchtbar – Machtlosigkeit und das Gefühl, der Situation völlig ausgeliefert zu sein, können sich breit machen.